Hauptmenü:

Nah und offen

Wer wir sind,
wie wir denken –
und was wir für
Sie tun können.

Weiterlesen Unternehmensbroschüre als pdf
Seite drucken  print

Aktuelle Instrumente der Mittelstandsfinanzierung
Oder: Basel III – noch nicht richtig da, aber schon ein alter Hut?

Die Finanzierung unternehmerischer Aktivitäten ist für Unternehmen und Unternehmer ein Dauerthema, das kontrovers und oft auch emotional diskutiert wird. Einen neuen Impuls hierfür setzt – neben den Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 – die Einführung von Basel III, die zum 01. Januar 2013 begonnen hat. Hierbei handelt es sich um international abgestimmte Regelungen, mit denen das Finanzsystem insgesamt krisenfester gestaltet werden soll. Sie beeinflussen auch die Geschäftspraktiken der Banken für ihre mittelständischen Kunden spürbar. Dies bedingt die Notwendigkeit der Anpassung mittelständischer Unternehmer an die sich ändernden Rahmenbedingungen – eröffnet aber auch Chancen.

Rahmenbedingungen im Wandel

Spätestens seit Einführung von Basel II  wirkt sich die Regulierung der Finanzsysteme spürbar auch auf mittelständische Unternehmen aus. Wesentliche Neuerung damals war die verbindliche Einführung eines Ratings als Basis der individuellen Bepreisung von Krediten. Die Zinssätze für Unternehmen unterschiedlicher Bonität haben sich daraufhin in den letzten Jahren auseinanderentwickelt. Als Folge haben viele Unternehmen verstärkt auf eine Eigenkapitalfinanzierung gesetzt. Einerseits aus der teilweisen Notwendigkeit heraus, einen Kapitalbedarf decken zu müssen, der über die klassischen Bankkredite nicht oder nur zu sehr hohen Konditionen finanziert werden konnte. Andererseits um aktiv die Ratingeinschätzung der Banken zu verbessern und damit die Fremdkapitalkosten zu reduzieren.

Seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat sich diese Entwicklung weiter verstärkt. Neben anderen Maßnahmen waren die Bereitstellung von Liquidität und die Senkung der Leitzinssätze durch die Zentralbanken wesentliche Instrumente zur Stabilisierung des Bankensektors. Diese günstigeren „Einkaufskonditionen“ konnten die Banken jedoch nur teilweise an ihre Kunden weitergegeben. Als Folge des aus der Krise erwachsenen, verschärften Risikobewusstseins der Banken haben sich die (ratingabhängigen) Risikoaufschläge bei Krediten im Durchschnitt deutlich erhöht. Insbesondere Unternehmen, die sich am mittleren bis unteren Rand der Rating-Skala bewegen, werden mit schlechteren Konditionen und/oder höheren Forderungen nach Sicherheiten konfrontiert. Ersteres erhöht die Kosten, letzteres das persönliche Risiko des Unternehmers. Aufgrund des insgesamt niedrigen Zinsniveaus spüren die meisten Unternehmen diese faktische (Risiko-) Preiserhöhung bislang nicht in ihren Bilanzen.

Aufgrund der erforderlichen massiven staatlichen Intervention in der Krise wurden die regulatorischen Anforderungen an Kreditinstitute im Rahmen von Basel III weiterentwickelt. Entsprechend regelt Basel III die in Banken vorzuhaltende Liquidität neu. Außerdem wurden die geltenden Vorschriften zur Hinterlegung von Unternehmenskrediten mit Eigenkapital verschärft. Folgende Auswirkungen auf den Mittelstand in Deutschland sind u. E. zu erwarten:

  • Die (erneut) steigenden Kosten für Banken werden diese an Ihre Kunden weitergeben.
  • Die Bedeutung des Ratings/der Bonitätseinschätzung wird nochmal zunehmen.
  • Die Zinssätze für unterschiedliche Bonitätsstufen entwickeln sich weiter auseinander.
  • Die Bedeutung der Eigenkapitalfinanzierung wird daher immer noch zunehmen.
  • Alternative Finanzierungsinstrumente werden an Bedeutung gewinnen.
  • Die Komplexität und die Anforderung an das Management in der Unternehmensfinanzierung werden sich erhöhen.

Finanzierung als Herausforderung für das Management

Um es vorwegzunehmen: es gibt keinen generellen „Königsweg“ für die Finanzierung von mittelständischen Unternehmen. Jedes Unternehmen benötigt die auf seine eigene Situation zugeschnittene Finanzierungsstruktur. Eine vorausschauende und mittelfristig angelegte Überprüfung der eigenen Finanzierung sollte aber in jedem Fall zum Standard-Instrumentarium für jedes Unternehmen gehören. Unabdingbare Voraussetzung dafür ist die Transparenz über den zukünftigen Mittelbedarf. Hier sehen wir bei vielen Unternehmen Handlungsbedarf im Sinne regelmäßiger und strukturierter Planungs- und Vorschauprozesse.

Wenn der Finanzbedarf einmal identifiziert ist, lohnt es sich, zunächst den Blick nach innen zu richten. Durch geeignete Maßnahmen kann die Ertragskraft häufig noch verbessert und der operative Cash Flow – als erste Finanzierungsquelle – gesteigert werden. Eine weitere Möglichkeit zur Nutzung der Innenfinanzierungskraft ist das aktive Working Capital Management. Die Reduzierung dieser für die Funktionsfähigkeit des Betriebes erforderlichen Mittel ist jedoch kein Selbstläufer, da zur Freisetzung von Kapital die Optimierung teilweise äußerst komplexer interner Unternehmensabläufe erforderlich ist. Dafür bieten sich jedoch häufig große Potenzial mit einem aktiven Working Capital Management.

Alternativen zum Bankkredit werden weiter an Bedeutung gewinnen

Wenn die Innenfinanzierungskraft von Unternehmen ausgeschöpft ist, gilt es andere Finanzierungsquellen zu erschließen. Unternehmen kommen dabei als erstes die klassischen Bankfinanzierungen wie Darlehen, Kontokorrent- oder Geldmarktkredit in den Sinn. Allerdings werden auch von Banken mittlerweile neue Produkte angeboten, die sich an den Interessen der Kreditnehmer und -geber ausrichten. Die sog. Borrowing Base Finanzierung beispielsweise ist eine besondere, flexible Form des Betriebsmittelkredits, bei der die Kredithöhe in bestimmten Abständen an die veränderte Kapitalbindung (i. d. R. in Rohstoffe, Beteiligungen, o. ä.) angepasst wird.

Neben der klassischen Finanzierung über Banken werden Sonderfinanzierungsformen wie Factoring oder Leasing bereits regelmäßig genutzt. Diese Finanzierungsformen haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Weil diese Finanzierung nicht in der Bilanz des Unternehmens auftaucht, kann durch diese Instrumente eine Reduzierung der Bilanzsumme und somit eine Verbesserung der Eigenkapitalquote sowie des Ratings erreicht werden.

Eine Verbesserung der Eigenkapital-Quote bewirkt auch die direkte Zuführung von Eigenkapital durch externe Investoren, wie beispielsweise Private Equity Gesellschaften oder Family Offices. Viele mittelständische Unternehmer stehen dieser Finanzierungsmöglichkeit aufgrund der damit verbundenen Mitspracherechte kritisch gegenüber. Unsere Beratungspraxis zeigt jedoch, dass längst nicht jede externe Beteiligungsgesellschaft eine sog. „Heuschrecke“ ist und oftmals auch sehr positive Entwicklungen (z. B. in der Professionalisierung des Managements) mit einer solchen Beteiligung verbunden sind.

Um Mitspracherechte zu begrenzen und dennoch wirtschaftliches Eigenkapital aufzubauen, hat die Finanzierungspraxis darüber hinaus eine Vielzahl von Mezzanine Kapital entwickelt. Darunter werden verschiedene Instrumente zusammengefasst, die sowohl eigenkapitaltypische als auch fremdkapitaltypische Elemente aufweisen. Beispiele sind stille Beteiligungen, Genussscheine oder partiarische Darlehen. Der Markt für solche Instrumente ist im Zuge der Wirtschaftskrise nahezu vollständig zusammengebrochen. Je nach individueller Unternehmenssituation kann sich eine Finanzierung über Mezzanines Kapital jedoch lohnen.

Größere mittelständische Unternehmen haben mitunter auch die Möglichkeit, den Kapitalmarkt zur Finanzierung zu nutzen. Unternehmensanleihen, die früher eher großen (börsennotierten) Konzernen vorbehalten waren, werden inzwischen auch vom Mittelstand emittiert. Auch Schuldscheindarlehen, bei denen üblicherweise mehrere Darlehen zusammengefasst und dann am Kapitalmarkt platziert werden, könnten zukünftig an Bedeutung gewinnen. Insbesondere bei fehlenden Besicherungsmöglichkeiten ist dies eine interessante, wenn auch teurere Alternative. Sie dürfte aber auch in Zukunft – aufgrund der Mindestvolumina und der Transaktionskosten – eher größeren Mittelständlern vorbehalten bleiben.

Fazit

Klassische Bankkredite werden auch in Zukunft die wichtigste Quelle für die Unternehmensfinanzierung im Mittelstand bleiben, wenngleich Basel III diese Finanzierungsform für viele mittelständische Unternehmen unattraktiver werden lässt. Für die Finanzierung des Umlaufvermögens und von Anlagegütern werden Factoring und Leasing weiterhin an Boden hinzugewinnen. Größere Unternehmen werden zudem bei entsprechenden Anlässen vermehrt die beschriebenen kapitalmarktorientierten Alternativen prüfen. Der dadurch entstehende Wettbewerb ist für die Unternehmen eine Chance. Sie erfordert aber auch den Aufbau von Know-how im Unternehmen oder die Einbindung qualifizierter externer Berater.

Gegenüberstellung wesentlicher Finanzierungsformen

Gegenüberstellung wesentlicher Finanzierungsformen